Im Rahmen der Bildungsmesse didacta in Köln nahmen Carsten Arntz und Kathrin Wichmann an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Schule hat eine Seele“ teil. Anlass war auch die Auszeichnung der beiden mit dem Deutschen Lehrkräftepreis 2025 in der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“. Gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Schulministerin Dorothee Feller sowie der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, diskutierten sie über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven von Schule.
Ein zentrales Thema der Diskussion war die Frage, wie Schule junge Menschen heute nicht nur fachlich, sondern auch persönlich stärken kann. Schulministerin Feller betonte dabei die Bedeutung sozialer und emotionaler Kompetenzen neben den klassischen Grundfertigkeiten. „Zu den Basiskompetenzen gehören nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen. Auch soziale und emotionale Kompetenzen sind entscheidend dafür, dass junge Menschen später gut durchs Leben gehen können“, erklärte die Ministerin.
Carsten Arntz und Kathrin Wichmann berichteten aus der Praxis ihrer Schule und stellten die pädagogische Entwicklung am Erzbischöflichen Berufskolleg Köln vor. Beide betonten, dass sich Schule verändern müsse, wenn Lernen wirklich gelingen soll. „Wir haben bei uns das Lernen komplett umgekrempelt und neu gedacht“, sagte Wichmann. Im Mittelpunkt stehe dabei die LernVision EBK, ein Konzept, das auf Vertrauen, Verantwortung und selbstständiges Lernen setzt.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung sei der Dialog innerhalb der Schulgemeinschaft. Kathrin Wichmann beschrieb die Haltung der Schulleitung so: „Wir versuchen, ganz viel im Dialog zu sein. Mit den Kolleginnen und Kollegen, aber genauso mit den Schüler/innen und Studierenden. Entscheidend ist, Vertrauen zu schenken und Verantwortung zuzutrauen.“ Gerade dieser Ansatz ermögliche es, dass sich Menschen in der Schule entfalten und eigene Ideen einbringen können.
Auch die Rolle der Lehrkräfte habe sich in den vergangenen Jahren verändert. „Lehrkräfte sind heute nicht mehr nur Wissensvermittler“, erklärte Arntz. „Sie sind auch Zuhörer, Vertrauensperson und Begleiter für junge Menschen.“ Diese Beziehungsebene spiele eine zentrale Rolle für erfolgreiche Bildung.
Die Diskussion griff zudem die Bedeutung von religiöser Bildung und Werteorientierung in einer pluralen Gesellschaft auf. Dr. Ruck-Schröder betonte, dass Bildung immer auch mit Fragen nach Sinn, Verantwortung und Lebensgestaltung verbunden sei. „Bildung hat das Ziel, Biografien von Menschen zu stärken“, erklärte sie. Religionsunterricht könne dafür einen wichtigen Raum bieten, weil dort über Werte, Lebensfragen und gesellschaftliche Verantwortung gesprochen werde.
Schulministerin Feller unterstrich, dass Schule immer den ganzen Menschen in den Blick nehmen müsse. „Eine Note sagt etwas über eine Leistung aus. Aber sie sagt nichts darüber, welchen Wert ein Mensch hat“, sagte sie. Schule habe die Aufgabe, junge Menschen in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen Orientierung zu geben.
Ein besonders eindrucksvoller Moment der Diskussion entstand, als ein Schüler des Erzbischöflichen Berufskollegs Köln, Schülersprecher Phillip Klein, aus dem Publikum gefragt wurde, warum seine Schule und deren Leitung den Deutschen Lehrkräftepreis verdient hätten. Seine Antwort brachte die Atmosphäre der Schule auf den Punkt: „Ich glaube, Herr Arntz und Frau Wichmann sind eine Schulleitung, die gemeinsam arbeitet und die uns als Schule im Ganzen konkret wahrnimmt. Sie denken immer daran, wie sich Schüler/innen und Studierende individuell entwickeln und wie Sie das unterstützen können. Und ich glaube, dass sich in der Atmosphäre an unserer Schule alle sehr wohlfühlen und wir uns alle gemeinsam auf einen ganz tollen Weg gemacht haben.“
Für Arntz und Wichmann ist genau das der entscheidende Maßstab für erfolgreiche Schule. Arntz Wunsch für die Zukunft formulierte er am Ende der Diskussion so: „Am wichtigsten ist für mich, dass Schüler/innen und Studierende auch nach dreißig Jahren noch sagen können, dass die Zeit an unserer Schule sie geprägt hat und eine gute Zeit für sie war.“
Die Podiumsdiskussion zeigte eindrucksvoll, wie wichtig eine gemeinsame Verantwortung von Schule, Politik und gesellschaftlichen Partnern für gelingende Bildung ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Schulen dann besonders erfolgreich sind, wenn sie eine klare pädagogische Haltung entwickeln und den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellen.
(v.l.n.r.) Dr. Adelheid Ruck‑Schröder (Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen), Dorothe Feller (Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen), Kathrin Wichmann, Carsten Arntz, Thomas Pitsch (Bereichsleitung Schule & Hochschule im Erzbistum Köln)
Kathrin Wichmann (Mitte) und Carsten Arntz (rechts) bei der Verabschiedung von NRW-Bildungsministerin Dorothe Feller (links)